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China
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Yunnan | Sichuan | Gansu & Shaanxi | Shanxi - Peking

Wir - Scott und ich - standen tatsächlich in China, am 19.02.2003. Ich hatte es bis dahin für unmöglich gehalten, nach allem was ich gehört hatte. Aber wie selbstverständlich hatte man uns (und die Fahrräder!) freundlich empfangen und einen angenehmen Aufenthalt gewünscht. Mengla, die erste Ortschaft in der Karte, war im Reiseführer als "kleiner, unbedeutender Zwischenstopp auf dem Weg nach Laos" beschrieben. Die Stadt übertraf alle unsere Vorstellungen. Nach den Bambushütten, die ich noch von Laos in Erinnerung hatte, war das eine Metropole! Große Betonbauten, Neonreklamen, prall gefüllte Läden, riesige Internetcafés - ein Kulturschock! Jinghong war die erste Millionenstadt auf dem Weg nach Norden durch die Xixuanbanna-Region in Süd-Yunnan. Über unzählige Pässe, die nun schon 2.500m überstiegen, und Straßen, die teilweise nicht existent waren, erreichten wir am 07.03. Dali - die Stadt der drei Pagoden am Erhai-See. Die angrenzenden Berge dort sind über 4.000m hoch und gaben uns einen kleinen Eindruck von dem, was uns weiter nördlich erwarten würde. Lijiang, wohl eine der schönsten Städte der Region, zog uns schnell in seinen Bann. Die unzähligen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten ließen uns kaum Luft holen, so auch die legendäre Tigersprungschlucht (Hutiao Xia) weiter nördlich. Die Schlucht ist so eng, dass einst ein Tiger die insgesamt 3.900m tiefe Schlucht übersprungen haben soll. Ab Zhongdian merkten wir deutlich den überwiegenden Bevölkerungsanteil an Tibetern. Die Stadt wurde zynischerweise in Shangri-La-City umgetauft. Von hier führte uns der härteste Anstieg auf über 4.300m durch Schnee und eisige Kälte bis in die nördlichste Ecke Yunnans - nach Dêqên. Scott hatte hier seinen Umkehrpunkt erreicht. Er folgte von hier wieder dem Mekong, zurück nach Tokio.

Ich war wieder allein unterwegs. Nach vielen endlos erscheinenden Anstiegen über Schotterpisten und Pässe bis 4.700m erreichte ich endlich das Hochland bei Litang (4.000m). Ich befand mich inzwischen in der Sichuan-Provinz, die Provinz der vier Ströme. In dieser Region leben zu 80% Tibeter, auch wenn es außerhalb der von der chinesischen Regierung festgelegten Provinz Tibet liegt. Ich musste noch viel in die Pedale treten, denn es lagen noch mehrere tausend Höhenmeter vor mir, ehe ich die Berge im Norden Sichuans verlassen würde. An der Grenze zur Gansu-Provinz verbrachte ich einige Tage in Zöige, da ich mal wieder auf Post wartete und eine verschleppte Darmerkrankung auskurieren musste. In dieser Region besuchte ich später die tibetische Labrang-Lamaserie in Xiahe, die zweitgrößte ihrer Art nach Lhasa. Eine riesige Klosteranlage, in der man fast glauben konnte, Tibet sei noch heute so lebendig, wie vor 100 Jahren.

Von hier erreichte ich langsam das Flachland Zentralchinas. Das saftige Grün und die sauerstoffreiche Luft ließen mich zu Höchstleistungen auflaufen. Nachdem ich über die Deutsche Welle von der Lungenkrankheit SARS erfahren hatte, begann ich, an meinen Plänen, nach Peking zu fahren, zu zweifeln. Aber meinen Traum von der Transsibirischen Eisenbahn wollte ich dennoch nicht aufgeben. Nachdem ich entlang des Hwangho-Flusses nach Shaanxi kam und Xi'an erreicht hatte, nutzte ich die Gelegenheit, die weltberühmte Armee der Terracottasoldaten (Bingmayong) zu besichtigen. Wegen SARS war die gesamte Region fast ohne Touristen und ich stand mutterseelenallein zwischen den 2.000 Jahre alten Figuren. Auch später auf dem Gipfel des Hua Shan (2.200m) und in der historischen Han-Chinesischen Stadt Pingyao war ich einer der wenigen Besucher. Erst danach erlebte ich die Probleme mit der in China lange vertuscht gewesenen Krankheit. Alle Restaurants und Internetcafés waren geschlossen, in viele Ortschaften wurde mir der Zugang verwehrt und mehr als oft musste meine Temperatur gemessen werden. Sogar alle Mobilfunknetze schienen für mich blockiert zu sein. Aber ich durfte weiterfahren. Nachdem ich die wahrscheinlich dreckigste Region Chinas - das Kohleabbaugebiet in der Shanxi-Provinz nahe des Gelben Flusses - durchquert hatte, erreichte ich am 23.05.2003 auf gebrochener Felge endlich Peking.

Bisher hatte ich keine Vorstellung von dieser Stadt gehabt. Ich war erstaunt, auf welch kleinem Raum 13 Millionen Menschen lebten - die Stadt war kaum größer als 50 km im Durchmesser. Vom Platz des Himmlischen Friedens (Tianmen) betrat ich die Verbotene Stadt. Der Platz, auf dem Maos Mausoleum steht, wo für Demokratie demonstrierende Studenten brutal ermordet worden waren, wo jeden Morgen dutzende patriotischer Chinesen bei Nationalhymne und Fahne hissen in Tränen ausbrechen. Ich schlenderte wieder allein durch den Kaiserpalast und bestaunte die uralte Kultur. Um die Zeit zu nutzen, die die "freundlichen" Mitarbeiter der russischen Botschaft zur Bearbeitung meines Visas benötigten, machte ich mich auf den Weg, um die Große Chinesische Mauer zu besuchen. Ich wollte aber die originale Mauer, die wilden Abschnitte sehen. Also hielt ich mich fern von den für die Touristen wiederhergestellten Abschnitten und machte mich auf den Weg nach Huanghua. Zu Zeiten von SARS gestaltete sich das recht schwierig, weil ich mehrere Straßensperren zu umgehen hatte. Peking war schließlich das Zentrum von SARS und durfte eigentlich nicht mehr verlassen werden. Dennoch stand ich schon bald auf den Ruinen der Großen Mauer, verinnerlichte zum letzten Mal die große Geschichte dieses Landes. Dass ich in der Nacht darauf tatsächlich Fieber und Husten bekam, war nicht geplant. Meine größte Sorge war natürlich, irgendwo mit Fieber entdeckt zu werden und umgehend in eines der berüchtigten Quarantäne-Lager verbannt zu werden. Gerüchte besagten, dass man dort hätte Wochen zubringen können. Aspirin half mir jedoch, das Fieber zu drosseln und so die Checks an Stadteingang, im Hotel, in russischer und mongolischer Botschaft, am Bahnhof usw. zu überstehen. Und so saß ich am 11.06.2003 im Zug nach Moskau.

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